Motorrad Studiofotografie

 

In der letzten Zeit hat bei mir die Motorradfotografie ganz gut zugelegt und so kommen auch immer mehr Herausforderungen. Schließlich ist es, wie auch bei einem menschlichen Model, nicht damit getan abstellen und draufhalten, fertig. Auch hier sollen die Bilder einen vernünftigen Bildaufbau, schönes Licht und vernünftige Farben haben, denn auch hierbei soll das Bild nachher den Betrachter ansprechen. Ich wollte bei der Motorradfotografie mal "neue" Wege gehen, auch um meinen Kunden etwas besonderes bieten zu können und so habe ich zuhause eine kleine Scheune leer geräumt um mir dort vorrübergehend ein provisorisches Studio einzurichten.Bevor ich aber mein ganzed Equipment zusammengetragen und aufgebaut habe, begann für mich erst einmal die Recherche im Netz, denn was das Thema Lichtsetzung angeht war bzw. bin ich doch noch ein "Frischling". Genau das ist es aber auf was es (mir) ankommt. Man ist nie zu alt zum lernen bzw. Stillstand bedeutet Rückschritt, oder auch anders gesagt "If you stop getting better, you have stopped being good!"

Einer meiner Kunden wollte zwei Bikes von mir fotografiert bekommen und hier sah ich meine Chance für die ersten Aufnahmen dieser Art. Ich überzeugte meinen Kunden, mir die Bikes anzuliefern und für mindestens eine Woche zur Verfügung zu stellen.Jetzt hieß es für mich Gas geben und alles in den vorgesehenen Räumlichkeiten für diesen Zweck vorzubereiten. Es wurden noch schnell zwei Lightstrips besorgt, 4 Industrielampen a 500Watt montiert und ein Rahmen von 2 auf 3 Meter gebaut und mit weißem Stoff als zusätzlicher Diffusor montiert. Der Hintergrund war inzwischen schon mit schwarzem Bühnenstoff abgehängt und zusätzlich auch noch weißer Bühnenstoff davor um auch dieses ausprobieren zu können. Meinen alten Windows Laptop hatte ich ja schon mit Lightroom fürs Tethered Shooting genutzt und so konnte dieser auch hier wieder zum Einsatz kommen.Ein paar Tage später lieferte der Kunde seine Custombikes an und ich musste feststellen das diese auch direkt eine besondere Herausforderung für mich werden würden, denn beide Motorräder waren schwarz. Eine BMW R80 Scrambler in schwarz glänzend und eine BMW R nineT Scrambler Umbau in schwarz seidenmatt.

Voller Euphorie fing ich am selbem Abend noch an die ersten Bilder zu machen und musste feststellen das es gar nicht so einfach ist, wie anfangs gedacht und das das Licht definitiv nicht ausreichend war. Genau dafür hatte ich aber die beiden BMW´s für mindestens eine ganze Woche bekommen. Um testen und probieren zu können und hierbei zu üben und zu lernen. An dieser Stelle nochmal einen großen Dank an meinen Kunden Motorrad Tellenbrock, für das entgegen gebrachte Vertrauen.Lernen bedeutet für mich auch recherchieren und gucken und so verbrachte ich den Abend in der Bildersuche bei Google. Ich schaute mir Bilder zum Thema Motorrad Studio Fotografie an und versuchte diese zu analysieren. Bilder von Motorrädern, die bereits im Studio entstanden sind, aber wenn ich finden konnte auch Bilder, wo die Fotografen ein "behind the scene" Bild gemacht haben und man das ganze Studio bzw. den Aufbau sehen und erahnen konnte. Ich kann jedem, der gerne fotografiert diesen Weg wärmstens empfehlen. Man fotografiert nicht einfach stumpf nach, was in einem Tutorial vorgegeben wird, sondern fängt durch die Analyse der Bilder an zu überlegen und findet so vielleicht auch seinen eigenen Weg.

Was auch sehr hilfreich ist bzw. mir in diesem Fall geholfen hat, ist die Möglichkeit andere Leute um Rat und Kritik zu fragen. In meinem Fall war bzw. ist es das Motorcycle Photographers Forum. Hier handelt es sich um eine geschlossene Facebook Gruppe, die sich mit dem Thema Motorradfotografie beschäftigt. Die Administratoren sind beide sehr erfahrene Motorrad Fotografen und stehem einem wirklich mit Rat und Tat zur Seite. Don Kates, der dieses Forum ins Leben gerufen hat, ist einer der bekanntesten Fotografen auf dem Gebiet in den USA. Es gibt glaube ich kaum eine Woche, in der nicht irgendwo in den USA ein Titelblatt oder Bericht mit Fotos von Don Kates in einem Motorrad Magazin vertreten ist. Ähnlich ist es bei dem zweiten Administrator, Julian Eichhoff. Er ist der Herausgeber bzw. Author des Buches "Motorräder fotografieren", einem sehr lehrreichen und vor allem bisher einzigartigen Buch das für jeden der gerne Bikes fotografiert zur Pflichtlektüre zählen sollte.

Mit den neuen Erkenntnissen ging es dann am nächsten Tag wieder in das Studio, eine der beiden BMW´s positionieren, Licht bzw. die Blitze setzen, Foto machen, auf dem Laptop ansehen, überlegen was wie wo verbessert werden kann, alles neu ausrichten und weiter zum nächsten Bild/Setup. So habe ich das ganze Wochenende verbracht und mit jedem Bild ein kleines bisschen dazu gelernt, positiv wie auch negativ.Wenn die Bilder dann auf dem Laptop-Display schon recht gut aussehen, steigert das dann zusätzlich die Motivation und man freut sich auf den Abend wenn man dann die Bilder anfängt nochmals zu sichten, zu sortieren und dann als krönenden Abschluss die Bildbearbeitung folgt. Leider macht man (oder eher ich) dann sehr oft den Fehler zu euphorisch und voreilig zu sein. Voreilig will man seine Ergebisse voller stolz kund tun und postet in den sozialen Medien die Ergebnisse. Natürlich nur mit Genehmigung des Kunden ;-).

Was ich auf jeden Fall bei dieser Aktion feststellen konnte ist das man bei so einem Job mehr mit Motorrad positionieren, Licht setzen und überlegen beschäftigt ist, als mit dem eigentlichen Fotografieren. Durch die Gegebenheiten mit dem Blitzsetup, stellt man im Normalfall die Kamera einmal auf ISO, Belichtungszeit und Blende ein und das war es dann. Mit diesen Kameraeinstellungen arbeitet man dann fast den ganzen Tag über und passt nur jeweils die Schärfe an.
Ich habe bei diesem Shooting Marathon für mich selber viel gelernt und bekam von meinem Kunden sogar zwei Wochen später ein weiteres Motorrad zum ablichten angeliefert. In diesem Fall war es eine Indian Scout die ebenfalls einen interssanten Komplettumbau hinter sich hatte.
Achja, und der Lohn für die ganze Müh kam dann später auch noch in Form von besonderer Anerkennung. Im bereits erwähnten Motorcycle Photographers Forum wurden meine Bilder in gewissen Abständen als Titelbild präsentiert, was für mich ein riesiger Motivationsschub war und mich ermutigt weiter zu üben und dabei zu lernen, denn wir lernen jeden Tag aufs neue dazu.

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